MCP für Hotels erklärt: Die KI bekommt eine Schnittstelle

Was MCP mit Hotelsoftware macht, warum KI damit mehr als reden kann – und was davon heute schon Realität ist.

Hotelsoftware · Guide · 13 min Lesezeit 

PMS spricht mit RMS. CRS mit Booking Engine. CRM mit PMS. Zumindest an guten Tagen.

Hotels haben Jahre damit verbracht, ihre Systeme miteinander zu verbinden. Über APIs, Schnittstellen, Exporte, Importe und gelegentlich jene Excel-Datei, die eigentlich nur „kurz zur Überbrückung“ gedacht war und fünf Jahre später immer noch erstaunlich geschäftskritisch ist.

Jetzt möchte auch noch die KI mitreden.

Bislang konnte ein KI-System vor allem das nutzen, was ihm als Wissen zur Verfügung stand: öffentliche Websites, Dokumente, Suchergebnisse oder Informationen, die jemand gezielt in einen Chat kopierte. Das reicht für Fragen wie „Hat das Hotel einen Wellnessbereich?“ möglicherweise aus. Bei „Welche Zimmer sind nächsten Freitag noch verfügbar?“ wird es schwieriger. Und bei „Prüfe die Verfügbarkeit und reserviere mir das passende Zimmer“ reicht Wissen allein überhaupt nicht mehr.

Eine KI müsste dafür auf aktuelle Daten und Funktionen externer Systeme zugreifen können.

Genau an dieser Stelle taucht seit Ende 2024 immer häufiger ein Kürzel auf: MCP – Model Context Protocol.

MCP ist ein offener technischer Standard, über den KI-Anwendungen mit externen Datenquellen und Werkzeugen kommunizieren können. Entwickelt wurde er ursprünglich von Anthropic. Inzwischen wird MCP von zahlreichen großen KI-Plattformen unterstützt und unter dem Dach der Linux Foundation weiterentwickelt.

Für Hotels könnte das ziemlich relevant werden.

Nicht, weil jetzt jedes Hotel dringend einen MCP-Server braucht. Sondern weil sich gerade verändert, was KI überhaupt mit Hotelsoftware machen kann.

Zeit also, sich anzusehen, was hinter den drei Buchstaben steckt.

Was ist MCP?

MCP steht für Model Context Protocol.

Es ist ein offener Standard, der festlegt, wie KI-Anwendungen mit externen Datenquellen, Anwendungen und Werkzeugen kommunizieren können.

Anthropic veröffentlichte MCP im November 2024. Das ursprüngliche Problem dahinter war nicht hotelspezifisch: KI-Anwendungen wurden immer leistungsfähiger, blieben aber häufig von den Systemen getrennt, in denen die Informationen und Funktionen liegen, die sie für tatsächliche Aufgaben benötigen.

Eine KI kann beispielsweise sehr gut verstehen:

„Zeige mir die Reservierungen für nächste Woche.“

 

Sie muss aber trotzdem wissen:

Wo liegen diese Reservierungen? Wie darf ich sie abrufen? Welche Funktion steht dafür zur Verfügung? Und was darf ich mit den Daten überhaupt machen?

MCP schafft dafür eine standardisierte Verständigungsebene.

Ein oft verwendeter Vergleich ist USB-C: Statt für jedes Gerät und jeden Hersteller einen anderen Anschluss zu benötigen, gibt es einen gemeinsamen Standard.

Der Vergleich hinkt technisch ein bisschen. Aber dafür versteht ihn jeder. Das ist manchmal auch etwas wert.

Für Hotels bedeutet das zunächst einmal nicht:

MCP verbindet automatisch alle Hotelsysteme miteinander.

Sondern:

MCP schafft einen standardisierten Weg, über den KI-Anwendungen auf bereitgestellte Daten und Funktionen zugreifen können.

Dieser Unterschied wird noch wichtig.

Welches Problem löst MCP eigentlich?

Ein Sprachmodell allein weiß zunächst nichts darüber, was jetzt gerade in einem Hotel passiert.

Es weiß nicht automatisch:

  • welche Zimmer heute verfügbar sind,
  • welche Rate aktuell gilt,
  • wann Frau Müller morgen anreist,
  • welche Buchungen storniert wurden,
  • welche Gäste Stammgäste sind,
  • wie hoch der Forecast für nächste Woche ist,
  • ob ein Late Check-out möglich ist.

Diese Informationen liegen in PMS, CRS, RMS, CRM, Booking Engine oder anderen Systemen.

Und genau hier entsteht ein Integrationsproblem.

Soll jede KI-Anwendung künftig für jedes PMS, jedes CRS und jedes CRM eine eigene individuelle Verbindung entwickeln?

Technisch möglich.

Ungefähr so elegant wie 17 verschiedene Ladekabel in einer Schublade.

MCP verfolgt einen anderen Ansatz: Das angebundene System beschreibt standardisiert, welche Informationen und Funktionen es einer KI-Anwendung zur Verfügung stellt.

Die KI muss dadurch nicht jedes System auf völlig unterschiedliche Weise kennenlernen.

Dass dieser Ansatz längst über Anthropic hinausgewachsen ist, zeigt die Entwicklung seit 2024. Im Dezember 2025 wurde MCP an die neu gegründete Agentic AI Foundation (AAIF) unter dem Dach der Linux Foundation übergeben. Zu deren Unterstützern gehören unter anderem Anthropic, OpenAI, Google, Microsoft, AWS und Cloudflare. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits mehr als 10.000 öffentliche MCP-Server genannt; MCP wurde unter anderem von ChatGPT, Gemini, Microsoft Copilot und verschiedenen Entwicklerplattformen unterstützt.

Im Juli 2026 erschien bereits eine neue MCP-Spezifikation mit Änderungen unter anderem bei Skalierbarkeit, Autorisierung und Erweiterbarkeit. Die offiziellen SDKs verzeichnen laut MCP-Projekt inzwischen zusammen annähernd eine halbe Milliarde Downloads pro Monat.

Aus einem Experiment ist also ziemlich schnell Infrastruktur geworden.

Wie funktioniert MCP?

Für das Grundverständnis reichen drei Beteiligte:

 

1. Der Host

Das ist die Anwendung, in der die KI genutzt wird.

Zum Beispiel ein KI-Assistent oder eine andere agentische Anwendung.

 

2. Der MCP-Client

Er stellt innerhalb dieser Anwendung die Verbindung zu einem MCP-Server her und verständigt sich mit ihm über das Protokoll.

 

3. Der MCP-Server

Er stellt definierte Informationen und Funktionen bereit.

Ein solcher Server könnte beispielsweise zu einem CRS, CRM oder einer Hotel-Datenplattform gehören.

Die offizielle MCP-Architektur sieht dabei bewusst klare Grenzen zwischen Host, Clients und Servern vor. Client und Server teilen beim Verbindungsaufbau mit, welche Funktionen sie unterstützen.

Vereinfacht:

KI-Anwendung → MCP-Client → MCP-Server → Daten/Funktionen

Im Hotel könnte dahinter wiederum ein bestehendes System liegen:

KI-Anwendung → MCP → CRS → Reservierungsdaten

oder:

KI-Anwendung → MCP → CRM → Gästedaten

oder:

KI-Anwendung → MCP → Hotel-Datenplattform → Hotelinformationen

MCP ist also nicht das PMS, nicht das CRM und auch keine neue Booking Engine.

Es ist die gemeinsame Sprache an der Tür.

Resources und Tools: lesen oder handeln

Eine der wichtigsten Unterscheidungen bei MCP ist erstaunlich einfach:

Eine KI kann Informationen bekommen.

Oder sie kann etwas tun.

 

Resources: Die KI bekommt Kontext

Über sogenannte Resources können MCP-Server Informationen bereitstellen.
Das können beispielsweise Dateien, Datenbankinformationen oder anwendungsspezifische Daten sein. Die aktuelle MCP-Spezifikation definiert dafür einen standardisierten Zugriff: Eine Anwendung kann verfügbare Resources erkennen und deren Inhalte gezielt abrufen.

Übertragen auf ein Hotel könnten das beispielsweise sein:

  • Check-in: ab 15 Uhr
  • Parken: Tiefgarage vorhanden
  • Haustiere: Hunde erlaubt
  • Zimmer: 138
  • Restaurant: geöffnet bis 22 Uhr

Die KI muss diese Informationen dann nicht aus fünf Unterseiten der Website zusammensuchen.

 

Tools: Die KI kann Funktionen nutzen

Noch interessanter werden sogenannte Tools.

Über Tools kann ein MCP-Server einer KI definierte Funktionen zur Verfügung stellen. Das können beispielsweise Datenbankabfragen, API-Aufrufe oder Berechnungen sein. Welche Tools verfügbar sind und was sie tun, beschreibt der Server so, dass eine KI sie erkennen und passend zur Aufgabe auswählen kann.

Übertragen auf ein Hotel könnten solche Tools beispielsweise heißen:

Verfügbarkeit prüfen
Reservierung suchen
Gastprofil abrufen
Rate vergleichen
Aufgabe anlegen

Das Sprachmodell kann verfügbare Tools erkennen und – abhängig von Anwendung und Berechtigungen – selbstständig auswählen und aufrufen. Die aktuelle MCP-Spezifikation bezeichnet Tools deshalb ausdrücklich als „model-controlled“.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die KI freie Hand bekommt. Die Spezifikation empfiehlt bei sicherheitsrelevanten Aktionen ausdrücklich einen Menschen in der Freigabeschleife: Anwendungen sollten sichtbar machen, welche Tools einer KI zur Verfügung stehen, deren Nutzung anzeigen und für entsprechende Aktionen Bestätigungen ermöglichen.

Was tatsächlich möglich ist, entscheidet also nicht MCP allein, sondern der jeweilige MCP-Server, das dahinterliegende System und die vergebenen Berechtigungen.

Ein MCP-Anschluss ist keine Generalschlüsselkarte.

Eher eine Schlüsselkarte, auf der ziemlich genau hinterlegt werden kann, welche Türen aufgehen.

MCP vs. API: Ist MCP einfach eine neue Schnittstelle?

Nein.

Aber die Verwechslung liegt nahe.

Eine klassische API definiert, wie Softwaresysteme technisch miteinander kommunizieren können. Hotels nutzen APIs beispielsweise, damit PMS, RMS, Channel Manager, CRS oder CRM Daten austauschen.

Wie solche Verbindungen funktionieren und warum „Schnittstelle vorhanden“ noch lange nicht „alles funktioniert wunderbar“ bedeutet, erklären wir ausführlicher in unserem Artikel Schnittstellen im Hotel.

MCP setzt an einer anderen Stelle an.

Sehr vereinfacht:

Eine API sagt: So kannst du mit diesem System kommunizieren.

 

MCP kann einer KI-Anwendung darüber hinaus standardisiert vermitteln:

Diese Daten und Werkzeuge stehen dir zur Verfügung und so kannst du sie verwenden.

Ein MCP-Server kann dabei wiederum bestehende APIs nutzen, um auf die eigentlichen Systeme zuzugreifen.

Deshalb ersetzt MCP APIs nicht automatisch.

Eine mögliche Architektur wäre:

KI-Agent
↓
MCP
↓
bereitgestellte Tools
↓
API
↓
PMS / CRS / CRM / RMS

Das klingt zunächst nach einer zusätzlichen Schicht.

Ist es auch.

Der entscheidende Unterschied: Diese Schicht kann verhindern, dass für jede neue KI-Anwendung jede Systemintegration erneut individuell gebaut werden muss.

Warum ist MCP für Hotels interessant?

Weil Hotels bereits ziemlich genau das Problem besitzen, für das MCP interessant wird:

Viele Systeme. Viele Daten. Viele Schnittstellen.

PMS, RMS, CRS, Channel Manager, Booking Engine, CRM, POS, Payment, Housekeeping, BI.

Die Liste wird selten kürzer.

Bei der Auswahl von Hotelsoftware ist deshalb längst nicht mehr nur entscheidend, was ein einzelnes System kann. Entscheidend ist, wie es in die gesamte Systemarchitektur passt.

KI verschärft diese Frage.

Denn eine KI ist nur dann wirklich hilfreich, wenn sie mit den richtigen Informationen arbeitet.

Fragt ein Revenue Manager:

„Warum ist der kommende Freitag schwächer als letztes Jahr?“

 

kann ein allgemeines Sprachmodell viele kluge Dinge über Nachfrage erzählen.

Interessanter wäre aber eine KI, die – mit entsprechenden Berechtigungen – tatsächlich relevante Daten aus Forecast, Reservierungsstand, Raten, Segmenten und Vertrieb heranziehen könnte.

Dann verändert sich die Rolle der KI.

Von:

„Erkläre mir Revenue Management.“

zu:

„Hilf mir, meine konkrete Situation zu analysieren.“

Genau deshalb gehört MCP langfristig nicht nur in die IT-Abteilung.

Es kann Revenue Management, Distribution, Marketing, Operations und Gästekommunikation betreffen.

Was kann MCP im Hotel konkret ermöglichen?

Hier lohnt sich eine wichtige Trennung.

MCP kann die technische Grundlage für bestimmte Anwendungen schaffen.

Das bedeutet nicht, dass jede davon heute mit jedem Hotelsystem bereits verfügbar ist.

 

Informationen aus Hotelsystemen abfragen

Ein KI-Assistent könnte über angebotene Resources oder Tools aktuelle Informationen erhalten.

Zum Beispiel:

„Welche Reservierungen wurden seit gestern storniert?“

 

oder:

„Welche Firmenkunden hatten in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 50 Übernachtungen?“

 

Voraussetzung ist immer, dass das jeweilige System diese Informationen entsprechend bereitstellt und der Nutzer die erforderlichen Berechtigungen besitzt.

 

Daten aus mehreren Bereichen für eine Aufgabe nutzen

Besonders interessant wird es, wenn eine KI Zugriff auf mehrere freigegebene Quellen oder Funktionen erhält.

Dann könnten Fragestellungen entstehen wie:

„Zeige mir die Tage der kommenden vier Wochen, an denen Forecast und aktueller Reservierungsstand deutlich auseinanderliegen.“

 

Hier geht es nicht mehr um eine einzelne Information, sondern um Kontext aus verschiedenen Systemen.

 

Prozesse anstoßen

Tools können grundsätzlich auch Aktionen auslösen.

Ein Hotel könnte beispielsweise eine Funktion bereitstellen, mit der eine KI eine Aufgabe im Task-Management anlegt oder einen bestimmten Datensatz aktualisiert.

Die aktuelle MCP-Spezifikation geht dabei ausdrücklich davon aus, dass Tools externe Systeme ansprechen, APIs aufrufen oder Berechnungen durchführen können. Sie sieht gleichzeitig Mechanismen vor, um zusätzliche Nutzereingaben oder Bestätigungen während eines Tool-Aufrufs einzuholen.

Im Hotel könnte daraus beispielsweise werden:

„Lege für alle morgen anreisenden VIP-Gäste eine Prüfaufgabe für das Front Office an.“

 

Ob die KI das darf, hängt allerdings von System, Tool, Berechtigungen und Freigabelogik ab.

Und das ist gut so.

MCP und KI-Agenten: Wo liegt der Zusammenhang?

Bei MCP fällt fast zwangsläufig noch ein zweiter Begriff:

KI-Agenten.

Ein klassischer Chatbot beantwortet eine Frage.

Ein Agent kann darüber hinaus einen Auftrag verfolgen, Informationen beschaffen, Werkzeuge auswählen und – sofern erlaubt – Aktionen durchführen.

Beispiel:

„Finde für Freitag bis Sonntag ein Hotel in Zürich nahe Hauptbahnhof, prüfe ein Doppelzimmer inklusive Frühstück und buche die passende Option.“

 

Dafür müsste eine KI nicht nur verstehen, was der Nutzer möchte.

Sie müsste:

Hotels finden → Informationen vergleichen → aktuelle Verfügbarkeit erhalten → Preise prüfen → Bedingungen berücksichtigen → gegebenenfalls eine Buchungsfunktion verwenden.

Genau an den Stellen, an denen aus Wissen ein Zugriff auf aktuelle Daten oder Funktionen wird, werden Protokolle wie MCP interessant.

MCP ist damit nicht der Agent.

Es ist auch nicht die KI.

Es kann vielmehr eine Verbindung zwischen Agent und Außenwelt herstellen.

Das klingt nach Wortklauberei.

Ist aber wichtig. Sonst ist am Ende wieder alles „KI“.

Und der Toaster vermutlich auch 🍞🔌🔥😱

Ist MCP in der Hotellerie schon Realität?

Ja.

Aber noch nicht in dem Sinne, dass morgen jeder Gast sein Zimmer autonom über irgendeinen KI-Agenten bucht.

MCP taucht inzwischen an mehreren Stellen des realen Hotel-Tech-Stacks auf.

 

CRS und Distribution: Simple Booking

Simple Booking, das Central Reservation System der Zucchetti Group, stellte im Juni 2026 seine MCP-Connector-Suite weltweit produktiv bereit. Nach Angaben des Unternehmens wird das CRS von mehr als 7.000 Hospitality-Betrieben in über 75 Ländern genutzt.

Über die MCP-Connectoren lässt sich das CRS mit KI-Agenten verbinden. Simple Booking nennt ausdrücklich Claude und ChatGPT und gibt an, die Connectoren bereits mit führenden KI-Agenten getestet zu haben. Die Anbindung kann unter anderem genutzt werden, um Reservierungs- und Distributionsdaten per natürlicher Sprache abzufragen sowie Ratenparität oder Nachfrage zu analysieren.

Damit sitzt MCP bereits ziemlich nah an einem Bereich, der für Hotels besonders interessant ist:

Verfügbarkeit. Preise. Reservierungen. Distribution.

 

Gästedaten und CRM: dailypoint

Ebenfalls im Juni 2026 führte dailypoint MCP-Unterstützung für seine Guest-Data- und CRM-Plattform ein.

Hotelteams können ausgewählte Gästedaten und Tools über MCP mit KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Gemini verbinden. Zu den vom Anbieter genannten Anwendungen gehören das Abrufen von Gästezusammenfassungen und Präferenzen, das Anlegen und Aktualisieren von Kontakten sowie das Auslösen beziehungsweise Vorbereiten weiterer Workflows.

MCP öffnet hier also nicht öffentlich verfügbare Hotelinformationen, sondern einen wesentlich sensibleren Bereich:

operative Gästedaten und CRM-Funktionen.

Welche Daten und Funktionen tatsächlich zugänglich sind, bleibt entsprechend kontrollierbar.

 

PMS und Hotelbetrieb: Apaleo

Apaleo führte bereits im September 2025 einen MCP-Server für seine offene Hospitality-Plattform ein.

Der Server stellt KI-Anwendungen einen standardisierten Zugang zu Live-Hoteldaten und Funktionen der Apaleo-Plattform bereit. Inzwischen beschreibt Apaleo seinen MCP-Server konkret als Zugang zur bestehenden offenen API: MCP-fähige Clients wie ChatGPT, Claude, Microsoft Copilot oder andere Anwendungen können darüber – innerhalb der vergebenen Rechte – auf Apaleo-Funktionen zugreifen.

Dabei geht es nicht nur ums Lesen.

Apaleo nennt beispielsweise das Erstellen von Reservierungen oder operative Aufgaben rund um Anreisen, Zimmerzuweisungen und Housekeeping. Schreibende Aktionen benötigen laut Anbieter eine vorherige Bestätigung; zusätzlich lässt sich der MCP-Zugriff über eigene Rollen und Berechtigungen steuern.

Hier zeigt sich ziemlich anschaulich, was mit Tools gemeint ist:

Die KI bekommt nicht einfach „Zugriff aufs PMS“, sondern kann definierte Funktionen der bestehenden Plattform verwenden.

 

B2B-Vertrieb und OTAs: Dida MCP

Noch eine andere Richtung zeigt Dida.

Der internationale Travel-Technologieanbieter startete im Juli 2026 mit Dida MCP einen MCP-basierten Buchungszugang zu seinem Portfolio von mehr als zwei Millionen Hotels.

Autorisierte B2B-Partner können darüber Hotels suchen, vergleichen und buchen und diese Funktionen direkt in eigene KI-Anwendungen, Agenten, Plattformen oder Customer Experiences integrieren.

Besonders interessant für den Hotelvertrieb: Dida nennt als mögliche Nutzer seines MCP-Angebots ausdrücklich nicht nur AI-App-Entwickler und bestehende Partner, sondern auch Online Travel Agencies (OTAs), Super Apps und Loyalty-Programme.

Das macht einen wichtigen Punkt deutlich:

Ein MCP-Server ist nicht zwangsläufig nur eine Schnittstelle zwischen einem Hotel und ChatGPT.

Auch ein OTA, eine Buchungsplattform oder ein anderer Vertriebspartner kann als MCP-Client beziehungsweise über eine MCP-fähige Anwendung auf entsprechend freigegebene Daten und Funktionen zugreifen.

Voraussetzung bleibt allerdings immer, dass dieser Zugang technisch vorgesehen und autorisiert ist. MCP bedeutet nicht, dass Booking.com, Expedia oder irgendeine andere Plattform automatisch auf einen Hotel-MCP-Server zugreifen kann.

Dida zeigt vielmehr, wie MCP zu einer neuen technischen Zugangsschicht im Reisevertrieb werden kann: Ein autorisierter Partner erhält über einen standardisierten Zugang nicht nur Hotelinformationen, sondern kann Suche, Live-Verfügbarkeit und Buchungsfunktionen in die eigene Umgebung integrieren.

Und genau dadurch wird MCP für Hotels auch strategisch interessant.

Denn dann geht es nicht mehr nur um die Frage:

Kann eine KI meine Hoteldaten lesen?

 

Sondern irgendwann auch um:

Über welche Systeme, Plattformen und Vermittler werden meine Zimmer künftig von KI gefunden und gebucht?

 

Wie sich das auf Hotelwebsite, Booking Engine, OTAs und Direktvertrieb auswirken könnte, betrachten wir deshalb separat.

 

Was diese Beispiele zeigen

MCP ist in der Hotellerie noch jung.

Aber nicht mehr nur eine hübsche Folie auf einer Technologiekonferenz.

Die bisherigen Anwendungen reichen bereits über sehr unterschiedliche Bereiche:

Simple Booking → CRS und Distribution
dailypoint → CRM und Gästedaten
Apaleo → PMS und Hotelbetrieb
Dida → B2B-Vertrieb, KI-Plattformen und OTAs

Und gerade diese Unterschiede sind interessant.

MCP ist kein neues einzelnes Hotelsystem. Es entwickelt sich vielmehr zu einer standardisierten Zugangsschicht, über die unterschiedliche KI-Anwendungen mit sehr unterschiedlichen Teilen der Hotel-Systemlandschaft kommunizieren können.

Kann ChatGPT dann einfach auf das PMS zugreifen?

Nein.

Und an dieser Stelle lohnt es sich, kurz den Stecker aus der Zukunftsmaschine zu ziehen.

Nur weil ein Hotelsystem einen MCP-Server besitzt, bedeutet das nicht:

ChatGPT kennt automatisch alle Hotelgäste.

 

Auch nicht:

Jede KI darf Preise ändern.

 

Und schon gar nicht:

Das Internet hat jetzt Zugriff aufs PMS. Viel Spaß.

 

MCP besitzt definierte Mechanismen für Autorisierung und Zugriffskontrolle. Mit der Spezifikation 2026-07-28 wurden diese nochmals verschärft. Unter anderem wurden die Autorisierungsmechanismen stärker an etablierte OAuth- und OpenID-Connect-Verfahren angepasst und zusätzliche Prüfungen gegen bestimmte Angriffsformen eingeführt.

Bei Tools ist die Logik besonders anschaulich.

Welche Tools ein Server einem Client anzeigt, kann von der Autorisierung des jeweiligen Requests abhängen. Ein Nutzer kann also beispielsweise nur diejenigen Funktionen sehen beziehungsweise verwenden, die seine Berechtigungen erlauben.

Außerdem empfiehlt die MCP-Spezifikation ausdrücklich menschliche Kontrolle bei Tool-Aufrufen. Anwendungen sollen transparent machen, welche Werkzeuge einer KI zur Verfügung stehen, deren Nutzung anzeigen und Bestätigungen ermöglichen.

Entscheidend ist deshalb immer:

Welche Daten werden bereitgestellt?

Welche Tools darf die KI sehen?

Welche Aktionen darf sie ausführen?

Wer muss diese Aktionen bestätigen?

Welcher Nutzer besitzt welche Berechtigung?

Was wird protokolliert?

MCP standardisiert die Kommunikation.

Es entscheidet nicht automatisch, was ein Hotel freigeben sollte.

Was MCP nicht löst

An dieser Stelle droht MCP dasselbe Schicksal wie ziemlich vielen Technologiethemen davor:

Es soll plötzlich alles lösen.

Tut es nicht.

 

MCP repariert keine schlechten Daten

Wenn Check-in im PMS um 15 Uhr, auf der Website um 14 Uhr und irgendwo in einer Datenplattform um 16 Uhr hinterlegt ist, entsteht durch MCP nicht auf magische Weise die richtige Antwort.

Drei widersprüchliche Datenquellen bleiben drei widersprüchliche Datenquellen.

Jetzt kann die KI nur schneller darüber stolpern.

 

MCP ersetzt keine saubere Systemarchitektur

Ein historisch gewachsener Tool-Zoo wird nicht dadurch zum funktionierenden Ökosystem, dass irgendwo ein MCP-Server danebensteht.

Es muss weiterhin geklärt sein:

Wo liegen welche Daten?

Welches System führt?

Welche Schnittstellen existieren?

Welche Datenqualität ist vorhanden?

Welche Prozesse sollen überhaupt automatisiert werden?

MCP ist deshalb Teil einer guten Hotel-Systemarchitektur – nicht deren Ersatz.

 

MCP ersetzt klassische Schnittstellen nicht automatisch

PMS und RMS müssen weiterhin Daten austauschen.

Booking Engine und CRS ebenso.

CRM und PMS vermutlich auch.

MCP ist nicht automatisch die neue Universalverbindung zwischen all diesen Systemen.

Es setzt vor allem dort an, wo KI-Anwendungen Daten und Funktionen dieser Systeme verstehen und nutzen sollen.

 

MCP macht eine KI nicht automatisch zuverlässig

Ein Sprachmodell kann weiterhin falsche Schlüsse ziehen.

MCP kann ihm bessere und aktuellere Daten sowie definierte Werkzeuge geben.

Das ist viel wert.

Denken muss das Modell trotzdem noch selbst.

Nun ja. So weit man bei einem Modell eben von Denken sprechen möchte.

Müssen Hotels sich jetzt mit MCP beschäftigen?

Verstehen: ja. Implementieren: nicht zwangsläufig.

Das ist momentan (und aus unserer Sicht) die sinnvollste Einordnung.

Hotels müssen 2026 nicht panisch einen MCP-Server bestellen, nur weil das Akronym gerade häufiger auftaucht.

Viel wichtiger ist zunächst die Frage, ob die eigene Systemlandschaft überhaupt darauf vorbereitet ist, dass KI künftig stärker auf operative Daten und Funktionen zugreifen soll.

Dazu gehören ziemlich unspektakuläre Dinge:

saubere Daten, klare Datenverantwortung, funktionierende Schnittstellen, dokumentierte Prozesse und Systeme mit vernünftigen APIs.

Nicht besonders futuristisch.

Leider ziemlich entscheidend.

Gleichzeitig entwickelt sich MCP schnell weiter.

Mit der Spezifikation vom Juli 2026 wurde das Protokoll unter anderem zustandslos, besser skalierbar und hinsichtlich Autorisierung weiter gehärtet. Im August veröffentlichte das MCP-Projekt bereits die Roadmap für die nächste Entwicklungsphase.

Im September 2026 führte die Agentic AI Foundation außerdem mit MCPA eine herstellerunabhängige Zertifizierung für MCP-Kompetenz ein. Die Linux Foundation nennt inzwischen annähernd eine halbe Milliarde monatliche Downloads der Tier-1-SDKs; MCP-Tool-Aufrufe durch ChatGPT-Nutzer lagen im August nach ihren Angaben beim 98-Fachen des Januar-Niveaus.

Das ist kein Beweis dafür, dass MCP zwangsläufig der Standard der nächsten zehn Jahre bleibt.

Es zeigt aber, dass das Thema inzwischen deutlich über eine einzelne KI-Plattform hinausgeht.

 

Und in der Hotellerie?

Wir schauen uns das nicht nur theoretisch an.

Bei einem unserer Hotelkunden in der Schweiz prüfen wir aktuell gemeinsam mit einem Technologieanbieter die Integration von MCP in eine bestehende Hotel- und Website-Systemlandschaft.

Dabei entstehen ziemlich schnell genau die Fragen, die auf einer Produktfolie gern etwas kleiner gedruckt werden:

Welche Daten sind tatsächlich erreichbar? Woher kommen sie? Was darf eine KI lesen? Was darf sie auslösen? Wie fügt sich MCP in bestehende APIs und Schnittstellen ein? Und was bedeutet das für Website und Booking Engine?

Darüber werden wir in den nächsten Teilen dieser MCP-Reihe ausführlicher sprechen.

Denn dafür ist das Thema zu groß, um es hier zwischen zwei Absätze zu quetschen.

Zwei Seiten von MCP im Hotel

Für die weitere Betrachtung trennen wir deshalb zwei Bereiche.

 

MCP, Website und Distribution

Auf der einen Seite steht alles, was nach außen führt:

Hotelwebsite, strukturierte Hoteldaten, Booking Engine, CRS, Raten und Verfügbarkeiten, KI-Agenten, Buchungsplattformen und OTAs.

Hier stellt sich die Frage, wie Hotels künftig von KI gefunden und gebucht werden – und wer dabei zwischen Hotel und Gast steht.

Diesen Bereich betrachten wir in einem eigenen Artikel.

 

MCP und die übrige Hotelsoftware

Auf der anderen Seite steht die interne Systemlandschaft:

Was passiert, wenn KI auf PMS, RMS, CRS, CRM, Channel Manager und weitere Hotelsysteme zugreifen und dort nicht nur Informationen lesen, sondern definierte Funktionen ausführen kann?

Wie verändert das Prozesse, Schnittstellen und die Hotel-Systemarchitektur?

Auch das verdient einen eigenen Artikel.

Fazit: MCP klingt zunächst nach einem Thema für Entwickler. Das ist es auch. Aber eben nicht nur.

Das Model Context Protocol verändert eine grundlegende Frage: Wie kommt eine KI aus ihrem Chatfenster heraus und an die Daten und Funktionen, die sie für echte Aufgaben benötigt?

Für Hotels ist das besonders relevant.

Kaum eine Branche arbeitet mit so vielen voneinander abhängigen Systemen und gleichzeitig so vielen zeitkritischen Daten: Reservierungen, Preise, Verfügbarkeiten, Gästedaten, Forecasts, Zimmerstatus, Vertrieb.

MCP ersetzt diese Systeme nicht.

Es ersetzt auch nicht automatisch ihre APIs.

Und es macht aus schlechten Daten keine guten.

Es schafft aber einen standardisierten Weg, über den KI-Anwendungen angebotene Informationen und Funktionen entdecken und nutzen können.

Die Entwicklung ist dabei weiter, als das Kürzel vermuten lässt. MCP wird unter neutraler Governance weiterentwickelt, die aktuelle Spezifikation wurde im Juli 2026 grundlegend überarbeitet und erste Hoteltechnologieanbieter setzen MCP bereits produktiv in PMS-, CRM- und Distributionsumgebungen ein.

Ob daraus tatsächlich die neue Standardschicht zwischen KI und Hotelsoftware wird, ist noch offen.

Aber eines lässt sich bereits sagen:

Die KI steht nicht mehr nur vor der Tür und liest die Website.

Sie bekommt langsam eine Schlüsselkarte.

Welche Türen darauf freigeschaltet werden, ist dann die eigentlich interessante Frage.

FAQ

Was bedeutet MCP im Hotel?

MCP steht für Model Context Protocol. Der offene Standard ermöglicht KI-Anwendungen, auf standardisierte Weise mit bereitgestellten Daten und Funktionen externer Systeme zu kommunizieren. Im Hotel können das beispielsweise Informationen oder Funktionen aus PMS, CRS, CRM oder anderen Hotelplattformen sein.

Was ist ein MCP-Server?

Ein MCP-Server stellt einer kompatiblen KI-Anwendung definierte Resources und Tools zur Verfügung. Welche Informationen und Funktionen verfügbar sind, bestimmt die jeweilige Implementierung.

Was sind Resources bei MCP?

Resources stellen Informationen beziehungsweise Kontext bereit. Eine KI-Anwendung kann verfügbare Resources erkennen und deren Inhalte abrufen. Welche Daten als Resource angeboten werden, entscheidet der MCP-Server.

Was sind MCP-Tools?

Tools sind Funktionen, die ein MCP-Server einer KI zur Verfügung stellt. Sie können beispielsweise Datenbanken abfragen, APIs aufrufen oder Berechnungen durchführen. Ein Sprachmodell kann verfügbare Tools erkennen und passend zu einer Aufgabe auswählen.

Was ist der Unterschied zwischen MCP und API?

Eine API definiert, wie Anwendungen technisch miteinander kommunizieren. MCP standardisiert dagegen insbesondere, wie KI-Anwendungen angebotene Daten und Werkzeuge entdecken und nutzen können. Ein MCP-Server kann dabei bestehende APIs verwenden. MCP ersetzt APIs deshalb nicht grundsätzlich.

Kann MCP auf PMS, CRS oder RMS zugreifen?

Wenn der jeweilige Anbieter oder eine Integrationsschicht entsprechende Daten und Funktionen über einen MCP-Server bereitstellt, kann eine kompatible KI-Anwendung darauf zugreifen. MCP selbst stellt jedoch keine automatische Verbindung zu jedem Hotelsystem her.

Kann eine KI über MCP Aktionen ausführen?

Ja. MCP unterstützt Tools, über die externe Funktionen aufgerufen werden können. Welche Aktionen erlaubt sind, hängt von der konkreten Implementierung und den Berechtigungen ab. Die aktuelle Spezifikation empfiehlt zudem menschliche Kontrolle und Bestätigungsmöglichkeiten bei Tool-Aufrufen.

Ist MCP für Hotels bereits verfügbar?

Ja. Erste Hospitality-Technologieanbieter setzen MCP bereits produktiv ein. Beispiele gibt es unter anderem bei Simple Booking im CRS-/Distributionsbereich, dailypoint bei CRM und Gästedaten, Apaleo im PMS- und Operations-Umfeld, sowie Dida für B2B-Hotelvertrieb, KI-Anwendungen und OTAs.

Braucht jedes Hotel einen eigenen MCP-Server?

Nein. MCP-Funktionen können beispielsweise durch bestehende Hoteltechnologieanbieter oder Integrationsplattformen bereitgestellt werden. Entscheidend ist zunächst, welche Daten und Prozesse überhaupt für KI-Anwendungen zugänglich gemacht werden sollen.

Ist MCP sicher?

MCP besitzt definierte Mechanismen für Autorisierung und Zugriffskontrolle. Die Sicherheit hängt jedoch wesentlich von der konkreten Implementierung ab: welche Daten und Tools freigegeben werden, welche Berechtigungen ein Nutzer besitzt und welche Aktionen bestätigt werden müssen. Die Spezifikation 2026-07-28 hat die Autorisierungsmechanismen nochmals erweitert und gehärtet.