ADR zeigt, welchen durchschnittlichen Zimmerpreis ein Hotel tatsächlich erzielt. Einfach erklärt mit Formel und Beispiel.
Revenue Management · Glossar · 5 min Lesezeit Die Nachfrage ist stark. Die Buchungen kommen rein. Und die Rate liegt deutlich höher als noch vor einem Jahr. Klingt erstmal nach einem Erfolg. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick. Denn ein hoher Zimmerpreis allein sagt noch wenig darüber aus, wie gut ein Hotel tatsächlich performt. Vielleicht wurden nur wenige Zimmer verkauft. Vielleicht wurde die Nachfrage falsch eingeschätzt. Oder die Preise waren so hoch, dass am Ende mehr Zimmer leer blieben als nötig.
Man kennt das aus dem Alltag. Wer sein Auto für 50.000 Euro verkaufen möchte, erzielt theoretisch einen hohen Preis. Wenn es niemand kauft, hilft das allerdings wenig. Im Hotel funktioniert es ähnlich. Deshalb betrachten Revenue Manager nicht nur die Auslastung, sondern auch den durchschnittlich erzielten Zimmerpreis.
Genau dafür gibt es die ADR. Die Kennzahl beantwortet eine einfache Frage: Wie viel haben Gäste durchschnittlich pro verkauftem Zimmer bezahlt? Sie gehört zu den wichtigsten Kennzahlen im Revenue Management und taucht praktisch in jedem Reporting auf. Gemeinsam mit Occupancy und RevPAR bildet sie die Grundlage vieler Preisentscheidungen. Die gute Nachricht: Die Berechnung ist unkompliziert. Schwieriger ist oft nur die Abkürzung.
ADR steht für:
Average Daily Rate
Auf Deutsch:
Durchschnittliche Tagesrate oder durchschnittlicher Zimmerpreis.
Die ADR zeigt, welchen durchschnittlichen Preis ein Hotel für seine verkauften Zimmer erzielt hat. Wichtig dabei: Berücksichtigt werden nur Zimmer, die tatsächlich verkauft wurden. Leere Zimmer spielen bei der Berechnung keine Rolle.
Wenn ein Hotel zehn Zimmer verkauft und insgesamt 1.500 Euro Zimmerumsatz erzielt, beträgt die ADR 150 Euro. Die Kennzahl beantwortet also die Frage: Wie viel zahlt ein Gast durchschnittlich für ein Zimmer? Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.
Die Formel ist einfach:
ADR-Formel
Zimmerumsatz ÷ verkaufte Zimmer
Beispiel:
Zimmerumsatz: 15.000 €
Verkaufte Zimmer: 100
ADR = 150 €
Der durchschnittliche Zimmerpreis beträgt somit 150 Euro.
Zwei Hotels erzielen denselben Zimmerumsatz.
Hotel A
Zimmerumsatz: 15.000 €
Verkaufte Zimmer: 100
ADR: 150 €
Hotel B
Zimmerumsatz: 15.000 €
Verkaufte Zimmer: 75
ADR: 200 €
Auf den ersten Blick wirkt Hotel B erfolgreicher. Die ADR ist deutlich höher. Allerdings fehlen wichtige Informationen. Wie viele Zimmer standen insgesamt zur Verfügung? Wie hoch war die Auslastung? Und wie sieht der RevPAR aus? Genau deshalb sollte die ADR nie isoliert betrachtet werden.
Weil Preisentscheidungen sichtbar werden
Die ADR zeigt unmittelbar, welchen Preis das Hotel tatsächlich am Markt durchsetzt. Nicht den Preis im System. Nicht den Preis auf der Website. Sondern den Preis, den Gäste tatsächlich bezahlt haben.
Weil Trends früh erkennbar werden
Steigt die ADR über mehrere Monate hinweg, kann das auf eine stärkere Nachfrage oder eine erfolgreiche Preisstrategie hindeuten. Sinkt sie dauerhaft, lohnt sich ein genauer Blick. Genau hier kommt Forecasting im Hotel ins Spiel. Revenue Manager beobachten Buchungsverhalten, Nachfrageentwicklung und Marktveränderungen, um zukünftige Preisentscheidungen besser vorbereiten zu können.
Weil Hotels vergleichbar werden
Viele Hotels vergleichen ihre ADR mit:
Dadurch entsteht ein besseres Verständnis für die eigene Preispositionierung.
So hilfreich die Kennzahl ist: Sie zeigt nur einen Teil der Wahrheit. Die ADR sagt nichts darüber aus,
Ein Hotel kann eine hervorragende ADR haben und trotzdem Umsatzpotenzial verschenken. Zum Beispiel dann, wenn die Preise zwar hoch sind, aber viele Zimmer leer bleiben. Man könnte sagen: Die ADR zeigt, wie teuer verkauft wurde. Nicht, wie erfolgreich verkauft wurde.
ADR zeigt den durchschnittlichen Zimmerpreis. Die ADR gehört zu den wichtigsten Kennzahlen im Hotel Revenue Management. Sie zeigt, welchen durchschnittlichen Preis Gäste tatsächlich für ihre Zimmer bezahlt haben. Dadurch hilft sie bei der Bewertung von Preisstrategien und Marktpositionierungen.
Allein betrachtet reicht die Kennzahl allerdings nicht aus. Erst zusammen mit Occupancy und RevPAR entsteht ein vollständiges Bild der Hotelperformance.