Forecasting im Hotel

Forecasting hilft Hotels dabei, Nachfrage, Auslastung und Umsatz frühzeitig einzuschätzen. So werden bessere Preis- und Vertriebsentscheidungen möglich.

Revenue Management · Guide · 8 min Lesezeit 

Der Monat läuft eigentlich gut. Die Buchungen kommen rein. Die Auslastung sieht solide aus. Und plötzlich fällt auf: Das kommende Wochenende ist fast ausverkauft. Die Nachfrage ist deutlich höher als erwartet. 

Eigentlich eine gute Nachricht. Trotzdem entsteht häufig ein ungutes Gefühl. Denn jetzt ist es zu spät. Die günstigen Raten wurden bereits verkauft. Die Nachfrage wurde unterschätzt. Potenzial bleibt auf der Strecke. 

Oder das Gegenteil passiert. Die Preise wurden früh angehoben. Die Nachfrage bleibt aus. Und kurz vor Anreise beginnt hektische Schadensbegrenzung.

Man kennt das. Nicht nur aus Hotels. Wer im Dezember Sommerreifen bestellt, ist vermutlich etwas spät dran. Und wer den Regenschirm erst kauft, wenn er bereits im Regen steht, hat den eigentlichen Zeitpunkt ebenfalls verpasst. 

Genau deshalb ist Forecasting ein zentraler Bestandteil des Revenue Managements. Es geht nicht darum, die Zukunft vorherzusagen. Das kann niemand. Es geht darum, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und fundierte Annahmen über die Zukunft zu treffen. Wie viele Zimmer werden verkauft? Wie entwickelt sich die Nachfrage? Wo entstehen Engpässe? Und wann sollten Preise angepasst werden?

Forecasting liefert keine Gewissheit. Aber deutlich bessere Entscheidungsgrundlagen als Bauchgefühl. Und meistens ist das schon ein großer Fortschritt.

Was bedeutet Forecasting im Hotel?

Forecasting bedeutet übersetzt: Prognose oder Vorhersage.

Im Hotel Revenue Management beschreibt Forecasting die Einschätzung zukünftiger Nachfrageentwicklungen. Ziel ist es, möglichst früh zu erkennen:

  • wie viele Zimmer verkauft werden,
  • welche Auslastung zu erwarten ist,
  • welche Umsätze wahrscheinlich erzielt werden,
  • wo Handlungsbedarf entsteht.

Dabei geht es nicht um exakte Vorhersagen. Forecasts sind Annäherungen. Je besser die Datenbasis, desto zuverlässiger die Prognose.

Forecasting einfach erklärt

Forecasting beantwortet eine zentrale Frage:
Was wird wahrscheinlich passieren, wenn wir nichts verändern?

Diese Einschätzung bildet die Grundlage für viele weitere Entscheidungen. Zum Beispiel:

  • Preisanpassungen
  • Restriktionen
  • Vertriebssteuerung
  • Personalplanung
  • Budgetplanung

Warum Forecasting wichtig ist

Weil Revenue Management in die Zukunft blickt
Die Vergangenheit lässt sich leicht analysieren. Die Zukunft ist deutlich spannender. Denn Preise werden heute festgelegt. Die Nachfrage entsteht morgen. Forecasting hilft dabei, diese Lücke zu schließen.

Weil bessere Entscheidungen möglich werden
Ohne Forecast reagieren Hotels häufig erst dann, wenn Entwicklungen bereits sichtbar sind. Mit Forecast können sie früher handeln. Und früher bedeutet im Revenue Management oft: Mehr Handlungsspielraum.

Weil Unsicherheit reduziert wird
Natürlich bleibt jede Prognose unsicher. Niemand weiß exakt, wie viele Gäste nächsten Monat buchen werden. Aber zwischen „wir wissen gar nichts“ und „wir haben eine fundierte Einschätzung“ liegen oft Welten.

Welche Daten in einen Forecast einfließen

Forecasting basiert auf Daten. Nicht auf Hoffnung. Und auch nicht auf Kaffeesatz. Obwohl letzterer in manchen Meetings erstaunlich beliebt zu sein scheint.

Historische Buchungsdaten
Die Vergangenheit liefert wichtige Hinweise. Zum Beispiel:

  • Auslastungen
  • Buchungsverläufe
  • Saisonalitäten
  • Nachfrageverhalten

Sie bildet häufig den Ausgangspunkt eines Forecasts.

Aktueller Buchungsstand
Ebenso wichtig ist die Gegenwart.

  • Wie viele Zimmer sind bereits verkauft?
  • Wie entwickelt sich das Buchungstempo?
  • Wie sieht der Pick-up aus?

Diese Informationen zeigen, ob sich die Nachfrage wie erwartet entwickelt.

Markt- und Eventdaten
Auch externe Faktoren spielen eine Rolle. Zum Beispiel:

  • Messen
  • Kongresse
  • Ferienzeiten
  • Großveranstaltungen
  • Wetterlagen

Ein Forecast betrachtet deshalb nicht nur das eigene Hotel. Sondern auch das Umfeld.

Wie Forecasting in der Praxis funktioniert

Der genaue Prozess unterscheidet sich von Hotel zu Hotel. Das Grundprinzip bleibt jedoch gleich.

Schritt 1: Daten analysieren
Zunächst wird die aktuelle Situation betrachtet.

  • Wie sieht die Nachfrage aus?
  • Wie entwickeln sich die Buchungen?
  • Welche Muster sind erkennbar?

Schritt 2: Annahmen treffen
Anschließend werden Erwartungen formuliert. Zum Beispiel:

  • Die Nachfrage bleibt stabil.
  • Ein Event erzeugt zusätzliche Nachfrage.
  • Die Buchungsgeschwindigkeit steigt.

Diese Annahmen bilden die Grundlage des Forecasts.

Schritt 3: Maßnahmen ableiten
Erst jetzt werden Entscheidungen getroffen. Etwa:

  • Preise erhöhen
  • Preise senken
  • Mindestaufenthalte einführen
  • Vertriebskanäle steuern

Forecasting ist deshalb kein Selbstzweck. Sondern eine Entscheidungshilfe. Preisanpassungen wirken sich direkt auf die ADR (Average Daily Rate) aus und gehören zu den wichtigsten Hebeln im Revenue Management.

Häufige Fehler beim Forecasting

Zu stark auf historische Daten vertrauen
Vergangene Entwicklungen sind wichtig. Aber sie wiederholen sich nicht immer. Märkte verändern sich. Gäste verändern sich. Rahmenbedingungen ebenfalls. 

Forecast und Wunsch verwechseln
Ein Forecast beschreibt, was wahrscheinlich passiert. Nicht das, was passieren soll. Der Unterschied ist größer, als man denkt.

Forecasts nicht aktualisieren
Eine Prognose ist keine einmalige Aufgabe. Sie muss regelmäßig überprüft werden. Neue Daten verändern die Ausgangslage. Und damit auch den Forecast.

Fazit

Forecasting schafft bessere Entscheidungen. Forecasting gehört zu den wichtigsten Grundlagen des Revenue Managements. Es hilft Hotels dabei, zukünftige Nachfrage besser einzuschätzen und Preisentscheidungen frühzeitig vorzubereiten. 

Dabei geht es nicht darum, die Zukunft exakt vorherzusagen. Sondern darum, Unsicherheit zu reduzieren. Denn bessere Entscheidungen entstehen selten aus Bauchgefühl. Meist entstehen sie aus guten Informationen. Und genau dafür ist Forecasting da.

Häufige Fragen zum Forecasting im Hotel

Was bedeutet Forecasting im Hotel?

Forecasting bezeichnet die Prognose zukünftiger Nachfrageentwicklungen im Hotel. Ziel ist es, möglichst früh einzuschätzen, wie sich Auslastung, Zimmerumsatz und Nachfrage entwickeln werden, um bessere Preis- und Vertriebsentscheidungen treffen zu können.

Warum ist Forecasting im Revenue Management wichtig?

Revenue Management beschäftigt sich mit zukünftigen Entscheidungen. Forecasting liefert dafür die Grundlage. Hotels nutzen Forecasts, um Preise anzupassen, Verfügbarkeiten zu steuern und auf Nachfrageveränderungen frühzeitig zu reagieren.

Welche Daten werden für einen Forecast benötigt?

Ein Forecast basiert in der Regel auf mehreren Datenquellen:

  • historische Buchungsdaten
  • aktuelle Buchungslage
  • Buchungsgeschwindigkeit (Pick-up)
  • Ferien- und Eventkalender
  • Markt- und Wettbewerbsdaten

Je besser die Datenbasis, desto zuverlässiger die Prognose.

Wie oft sollte ein Forecast aktualisiert werden?

Forecasts sind keine einmalige Aufgabe. Viele Hotels aktualisieren ihre Forecasts wöchentlich oder sogar täglich. Besonders bei kurzfristigen Buchungszeiträumen kann sich die Nachfrage schnell verändern.

Ist Forecasting dasselbe wie Budgetplanung?

Nein.

Ein Budget beschreibt ein geplantes Ziel. Ein Forecast beschreibt die aktuell erwartete Entwicklung auf Basis verfügbarer Daten. Während Budgets meist einmal jährlich erstellt werden, werden Forecasts regelmäßig angepasst.

Kann ein Forecast falsch sein?

Ja.

Ein Forecast ist keine Vorhersage mit Garantie. Unvorhersehbare Ereignisse wie Wetterveränderungen, Marktverschiebungen oder kurzfristige Veranstaltungen können die tatsächliche Nachfrage beeinflussen. Das Ziel eines Forecasts ist nicht Perfektion, sondern eine bessere Entscheidungsgrundlage.

Was ist der Unterschied zwischen Forecasting und Reporting?

Reporting betrachtet die Vergangenheit. Forecasting blickt in die Zukunft. Ein Report zeigt beispielsweise, wie hoch die Auslastung im letzten Monat war. Ein Forecast schätzt, wie hoch die Auslastung in den kommenden Wochen oder Monaten sein wird.

Welche Kennzahlen spielen beim Forecasting eine Rolle?

Zu den wichtigsten Kennzahlen gehören:

Sie helfen dabei, zukünftige Nachfrage- und Umsatzentwicklungen einzuschätzen und geeignete Maßnahmen abzuleiten.

Können kleine Hotels ebenfalls Forecasting nutzen?

Ja.

Forecasting ist nicht nur für große Hotelketten relevant. Auch kleinere Hotels profitieren davon, Nachfrageentwicklungen frühzeitig zu erkennen und Preise gezielter zu steuern. Oft reichen bereits einfache Forecasts auf Basis historischer Buchungsdaten und aktueller Reservierungen aus, um bessere Entscheidungen zu treffen.