Preispositionierung für Hotels: Billiger als nebenan ist noch keine Strategie.

Wie Hotels ihren Platz im Markt finden, Preise begründen und aufhören, dem Wettbewerb hinterherzulaufen.

Preisstrategie · Strategie · 17 min Lesezeit 

Das Hotel gegenüber verkauft das Standardzimmer am kommenden Dienstag für 169 Euro. Das eigene steht bei 179 Euro.

Also runter auf 168?

Am Mittwoch verlangt der Nachbar plötzlich 209 Euro. Das eigene Zimmer kostet noch immer 179 Euro.

Also rauf auf 208?

So wird ein Rate Shopper schnell zum Lenkrad. Einer dreht, alle fahren hinterher. Wohin genau, weiß allerdings niemand.

Denn der sichtbare Preis des Wettbewerbers beantwortet nicht, warum Gäste dessen Zimmer buchen. Vielleicht ist es renoviert. Vielleicht ist Frühstück enthalten. Vielleicht ist nur noch eine höhere Kategorie verfügbar. Vielleicht steht dort seit drei Tagen schlicht ein falscher Preis. Auch Hotels können sich irren. Sogar mit zwei Nachkommastellen.

Preispositionierung für Hotels beginnt deshalb nicht mit der Frage: Was kostet das Hotel nebenan?

Sie beginnt mit drei anderen Fragen: Welchen Wert bietet das eigene Haus? Mit welchen Hotels wird es aus Sicht der Gäste wirklich verglichen? Und welche Position soll der Preis an einem bestimmten Aufenthaltstag einnehmen?

Das kann oberhalb des Marktes sein. Auf Marktniveau. Darunter. Oder je nach Nachfrage, Zielgruppe und Zimmerkategorie unterschiedlich.

Eine klare Preispositionierung macht ein Hotel nicht automatisch teuer. Sie macht den Preis nachvollziehbar. Für das Revenue Management, für den Vertrieb und im besten Fall auch für den Gast.

Das ist aktueller denn je. Preise werden auf OTAs nebeneinandergestellt, Metasuchen prüfen Unterschiede und KI-Assistenten sollen zunehmend Preisentwicklungen beobachten. Sichtbarer war der Abstand zum Nachbarn selten. Aussagekräftiger wird er dadurch aber nicht automatisch.

Dieser Beitrag zeigt, wie Hotels ihre Position im Markt bestimmen, ein sinnvolles Wettbewerbsumfeld wählen und prüfen, ob der gewünschte Preis auch wirtschaftlich funktioniert.

Denn „einen Euro günstiger“ ist eine Position.

Nur leider keine besonders eigene.

Was bedeutet Preispositionierung für Hotels?

Die Preispositionierung beschreibt, wo ein Hotel mit seinen Preisen im Verhältnis zu relevanten Alternativen stehen möchte.

Dabei geht es nicht nur um den Abstand zum Wettbewerb.

Die Position muss gleichzeitig zu vier Dingen passen:

  • zum angebotenen Produkt,
  • zur wahrgenommenen Qualität,
  • zur Zahlungsbereitschaft der Zielgruppen,
  • zur Nachfrage am jeweiligen Aufenthaltstag.

Ein Hotel kann sich bewusst oberhalb seines Wettbewerbsumfelds positionieren, wenn Gäste einen erkennbaren Mehrwert erhalten. Es kann auf vergleichbarem Niveau anbieten. Oder darunter, etwa weil das Produkt einfacher ist, die Lage schwächer oder ein neuer Betrieb zunächst Nachfrage aufbauen muss.

Die Position beantwortet damit nicht nur die Frage, wie viel ein Zimmer kostet.

Sie beantwortet, warum es im Vergleich zu anderen Angeboten genau dort steht.

 

Preispositionierung ist relativ

Ein Preis von 220 Euro ist weder hoch noch niedrig.

Für ein einfaches Flughafenhotel an einem ruhigen Sonntag kann er sehr ambitioniert sein. Für ein hochwertiges Stadthotel während einer internationalen Messe vielleicht erstaunlich günstig.

Preise erhalten ihre Bedeutung erst durch den Zusammenhang:

  • Aufenthaltstag,
  • Nachfrage,
  • Lage,
  • Hotelstandard,
  • Zimmerkategorie,
  • enthaltene Leistungen,
  • Buchungsbedingungen,
  • verfügbare Alternativen.

Wer diese Zusammenhänge ignoriert, vergleicht Zahlen statt Angebote.

Das ist ungefähr so, als würde man beim Autokauf nur auf den Preis schauen und anschließend überrascht feststellen, dass beim günstigeren Modell der Motor fehlt. Immerhin war es günstig.

 

Preispositionierung, Dynamic Pricing und BAR-Strategie

Die drei Begriffe gehören zusammen. Sie erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.

BereichZentrale Frage
PreispositionierungWo soll das Hotel im Verhältnis zu Markt, Wettbewerb und Produktwert stehen?
Dynamic PricingWelche öffentlich verfügbare Rate dient als Referenz und welche Preise hängen daran?
BAR-StrategiePortalion
IpsumPortalion
IpsumPortalion

 

Die Preispositionierung gibt die Richtung vor.

Dynamic Pricing bewegt den Preis innerhalb dieser Richtung. Die BAR-Strategie sorgt dafür, dass die übrigen Raten dabei nicht unkontrolliert durcheinanderpurzeln.

Ein Hotel kann seine BAR täglich verändern und trotzdem keine erkennbare Preispositionierung besitzen. Dann bewegt sich zwar viel. Nur nicht unbedingt sinnvoll.

Welche Preispositionen gibt es?

Hotels können unterschiedliche Positionen gegenüber ihrem relevanten Markt einnehmen.

Keine davon ist automatisch richtig oder falsch. Sie muss zum Geschäftsmodell passen.

PositionTypische EinordnungVoraussetzung
Preisführer nach untenDeutlich unter dem relevanten WettbewerbSehr schlanke Kostenstruktur oder bewusste Markteintrittsstrategie
Value-PositionEtwas günstiger bei vergleichbarem NutzenEffizientes Produkt mit klar erkennbarem Preis-Leistungs-Verhältnis
MarktparitätIn einem ähnlichen Preisbereich wie vergleichbare HotelsAustauschbares oder bewusst marktübliches Angebot
PremiumpositionOberhalb des relevanten WettbewerbsSichtbarer und glaubwürdiger Mehrwert
Selektive PremiumpositionNur an bestimmten Tagen, für bestimmte Kategorien oder Zielgruppen oberhalb des MarktesDifferenzierte Nachfrage- und Produktsteuerung

 

Unterhalb des Marktes

Eine niedrigere Position kann sinnvoll sein, wenn ein Hotel:

  • ein einfacheres Produkt anbietet,
  • ungünstiger liegt,
  • weniger Leistungen enthält,
  • neu in den Markt eintritt,
  • gezielt preissensible Nachfrage anspricht.

Problematisch wird sie, wenn „günstiger“ der einzige erkennbare Buchungsgrund ist.

Denn der preisgünstigste Platz ist selten dauerhaft frei. Irgendjemand kann fast immer noch fünf Euro abziehen. Wer sich darauf einlässt, spielt ein Spiel, dessen Hauptpreis eine niedrigere Marge ist.

 

Auf Marktniveau

Eine Position auf Marktniveau ist nicht ambitionslos.

Sie kann genau richtig sein, wenn Produkt, Lage und Nachfrage mit dem Wettbewerbsumfeld vergleichbar sind. Entscheidend ist, dass die Parität bewusst gewählt wurde und nicht zufällig entstanden ist.

Ein marktüblicher Preis kann außerdem durch bessere Bedingungen attraktiver werden:

  • flexiblere Stornierung,
  • enthaltenes Frühstück,
  • bessere Zimmerzuteilung,
  • direkter Kontakt,
  • Parkplatz,
  • später Check-out.

Gleicher Preis bedeutet nicht zwingend gleiches Angebot.

 

Oberhalb des Marktes

Eine Premiumposition benötigt einen Beleg.

Das kann ein besseres Zimmer sein. Eine besondere Lage. Verlässlicher Service. Mehr Ruhe. Eine starke Marke. Hervorragende Bewertungen. Oder eine Kombination daraus.

Der Preis allein macht das Produkt nicht hochwertig.

Er erhöht zunächst nur die Erwartung.

Wer 40 Euro mehr verlangt, muss nicht jeden Euro einzeln erklären. Gäste sollten den Unterschied aber erkennen können, bevor sie buchen. Sonst wirkt der Aufschlag nicht wie Positionierung, sondern wie Optimismus.

 

Selektiv statt dauerhaft

Für viele Hotels ist eine flexible Position realistischer als ein fester Platz in der Preistabelle.

Ein Haus kann:

  • unter der Woche über dem Markt liegen,
  • am Wochenende auf Marktniveau verkaufen,
  • während einer Messe deutlich führen,
  • bei Familienzimmern eine Premiumposition erreichen,
  • bei unrenovierten Einzelzimmern darunterbleiben.

Das ist kein Widerspruch.

Es bedeutet nur, dass nicht jede Nachfrage denselben Wert in demselben Produkt sieht.

Wer gehört zum relevanten Wettbewerbsumfeld?

Die Preispositionierung ist nur so brauchbar wie der Vergleich, auf dem sie beruht.

Ein Competitive Set, kurz Comp Set, umfasst die Hotels, mit denen das eigene Haus aus Sicht potenzieller Gäste tatsächlich konkurriert.

Das sind nicht automatisch alle Hotels im Umkreis von zwei Kilometern.

Nähe ist praktisch. Relevanz wäre besser.

 

Gäste vergleichen nach Anlass

Ein Geschäftsreisender sucht möglicherweise:

  • kurze Wege zum Unternehmen,
  • verlässliches WLAN,
  • frühes Frühstück,
  • Parkplatz,
  • flexible Stornierung.

Ein Wochenendgast achtet eher auf:

  • Atmosphäre,
  • Innenstadtlage,
  • Zimmergestaltung,
  • Frühstückserlebnis,
  • Bewertungen,
  • Freizeitangebote.

Beide können dasselbe Hotel buchen. Sie vergleichen es jedoch möglicherweise mit völlig anderen Alternativen.

Das Tagungshotel am Stadtrand kann dienstags ein direkter Wettbewerber sein und am romantischen Adventswochenende vollständig aus dem Vergleich verschwinden. Romantik ist vieles. Ein Gewerbegebiet mit 180 Parkplätzen eher selten.

 

Kriterien für ein sinnvolles Comp Set

Relevante Vergleichshotels sollten anhand mehrerer Merkmale ausgewählt werden:

  • Lage und Erreichbarkeit,
  • Hoteltyp und Kategorie,
  • Zimmerqualität und Renovierungsstand,
  • Ausstattung und Leistungen,
  • Zielgruppen,
  • Buchungsanlässe,
  • Veranstaltungs- und Tagungskapazitäten,
  • Bewertungsniveau,
  • Vertriebskanäle,
  • Preisspanne.

Ein Vier-Sterne-Hotel ist nicht automatisch mit jedem anderen Vier-Sterne-Hotel vergleichbar. Klassifizierungen helfen bei der Orientierung. Sie erklären aber weder die Mikrolage noch die Atmosphäre, die Zimmergröße oder die Qualität des Frühstücks.

 

Mehrere Vergleichsgruppen statt einer ewigen Liste

Ein einziges starres Comp Set kann zu grob sein.

Sinnvoller können mehrere Perspektiven sein:

  • Primäres Comp Set: Hotels, mit denen das Haus regelmäßig um dieselbe Nachfrage konkurriert
  • Anlassbezogenes Comp Set: relevante Wettbewerber für Messen, Wochenenden, Gruppen oder Ferienzeiten
  • Aspirational Set: Häuser, deren Position das Hotel langfristig erreichen möchte
  • Zimmerbezogenes Comp Set: vergleichbare Kategorien wie Suiten, Familienzimmer oder Apartments

Das aspirational Set darf die Richtung zeigen. Es sollte nicht heimlich als Begründung für Preise dienen, die das aktuelle Produkt noch nicht trägt.

Ein frisch formulierter Wunsch ist noch keine renovierte Junior Suite.

 

Der Rate Shopper zeigt Preise, keine Wahrheit

Ein Rate Shopper ist wichtig. Er zeigt, welche Preise und Verfügbarkeiten der Markt zu einem bestimmten Zeitpunkt anbietet.

Er zeigt jedoch nicht automatisch:

  • welche Zimmerkategorie verglichen wird,
  • welche Leistungen enthalten sind,
  • wie hoch die Stornierungsflexibilität ist,
  • ob ein Mitgliederpreis sichtbar ist,
  • ob nur noch wenige Zimmer verfügbar sind,
  • ob eine Promotion greift,
  • ob der Wettbewerber seinen Preis bewusst gesetzt hat.

Deshalb sollten Hotels vergleichbare Angebote normalisieren.

Eine flexible Rate ohne Frühstück gehört nicht kommentarlos neben eine nicht stornierbare Rate inklusive Frühstück. Beide haben eine Zahl. Damit endet die Gemeinsamkeit bereits weitgehend.

Was dürfen Produkt und Gästeerlebnis kosten?

Preispositionierung entsteht nicht allein im Revenue-Büro.

Sie beginnt im Produkt.

Ein Hotel kann nur dauerhaft oberhalb relevanter Wettbewerber verkaufen, wenn Gäste einen Unterschied wahrnehmen. Dieser Unterschied muss nicht luxuriös sein. Er muss relevant sein.

 

Wert ist mehr als Quadratmeter

Zur wahrgenommenen Leistung gehören unter anderem:

  • Lage,
  • Schlafqualität,
  • Ruhe,
  • Sauberkeit,
  • Zimmergestaltung,
  • Service,
  • Frühstück,
  • Flexibilität,
  • Vertrauen,
  • Bewertungen,
  • Einfachheit der Buchung,
  • Verlässlichkeit des gesamten Aufenthalts.

Ein schlichtes Hotel an der richtigen Stelle kann für einen bestimmten Gast wertvoller sein als das schönere Haus am falschen Ende der Stadt.

Preispositionierung folgt deshalb nicht nur der Frage: Was haben wir?

Sie folgt auch der Frage: Für wen ist das wichtig?

 

Bewertungen schaffen Preisspielraum

Im Hotel-Snapshot des Traveler Value Index 2025 von Expedia Group gaben 76 Prozent der Befragten an, für ein Hotel mit besseren Bewertungen mehr bezahlen zu wollen. 85 Prozent würden eher eine Unterkunft buchen, die nachweislich konstant gute Erlebnisse bietet. Grundlage waren 11.000 Befragte in elf Märkten.

Das macht Bewertungsmanagement nicht zu einem hübschen Nebenthema.

Gute Bewertungen können Teil der wirtschaftlichen Preispositionierung sein. Schlechte Bewertungen ebenso – nur leider in die andere Richtung.

Ein Hotel kann die schönste Premiumstrategie der Stadt in die Excel-Tabelle schreiben. Wenn Gäste regelmäßig über Lärm, Sauberkeit oder unzuverlässigen Service berichten, positioniert der Markt irgendwann mit.

 

Gäste buchen nicht nur Standard

Der Changing Traveller Report 2026 von SiteMinder basiert auf fast 12.000 Reisenden in 14 Ländern. 58 Prozent der Befragten planen, Superior- oder Luxuskategorien statt Standardzimmern zu wählen. Das waren vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Das ist keine Einladung, jedes Doppelzimmer in „Deluxe“ umzubenennen und 60 Euro aufzuschlagen.

Es zeigt aber, dass Gäste für erkennbare Qualität und ein besseres Erlebnis offen sind. Hotels sollten deshalb prüfen:

  • Sind Zimmerkategorien deutlich unterscheidbar?
  • Wird der Mehrwert in Bildern und Beschreibung sichtbar?
  • Passt der Preisabstand zum tatsächlichen Unterschied?
  • Sind höherwertige Kategorien auf allen Kanälen verständlich dargestellt?

Wenn Standard, Superior und Deluxe auf denselben Fotos gleich aussehen, hilft auch die schönste Preisleiter wenig. Dann hat der Gast drei Namen und eine Vermutung.

Warum die Preisposition nicht immer gleich bleiben muss

Eine strategische Position ist kein festgeklebter Rangplatz.

Sie kann sich nach Aufenthaltstag, Nachfrage, Segment und Zimmerkategorie verändern.

 

Nachfrage verändert die Vergleichsposition

An einem schwachen Sonntag kann ein Hotel auf Marktniveau liegen. Während einer Messe kann dasselbe Haus deutlich oberhalb seines üblichen Wettbewerbs verkaufen, weil Lage, Verfügbarkeit oder Zimmermix dann besonders wertvoll sind.

SiteMinder berichtet für 2026, dass 63 Prozent der Reisenden eher wegen besonderer Veranstaltungen verreisen. Für solche Anlässe seien sie eher bereit, mehr zu bezahlen, weiter zu reisen und früher zu buchen.

Der relevante Wert eines Hotelzimmers verändert sich also nicht nur mit der Saison.

Manchmal kommt Harry Styles in die Stadt. Oder die Kunststoffmesse. Beides kann Zimmerpreise bewegen. Nur die Gästestruktur dürfte leicht unterschiedlich ausfallen.

 

Zimmerkategorien brauchen eigene Positionen

Nicht jede Kategorie muss denselben Abstand zum Wettbewerb halten.

Vielleicht ist das Standardzimmer durchschnittlich, während die renovierte Suite ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Vielleicht ist das Familienzimmer ungewöhnlich groß. Vielleicht verkauft sich das Einzelzimmer trotz niedriger Rate schlecht, weil es zum Innenhof liegt und dort morgens die Getränkelieferung stattfindet.

Eine einheitliche Position über alle Kategorien verwischt diese Unterschiede.

Die BAR-Strategie entscheidet, wie Zimmerpreise miteinander verbunden werden. Die Preispositionierung prüft, ob diese Abstände im Markt plausibel bleiben.

 

Zielgruppen bewerten Leistungen unterschiedlich

Für einen Geschäftsreisenden kann die flexible Stornierung einen hohen Wert besitzen.

Ein Freizeitgast akzeptiert möglicherweise eine Vorauszahlung, wenn dafür Frühstück enthalten ist. Familien achten auf Platz und Gesamtkosten. Veranstaltungsgäste vor allem darauf, überhaupt noch ein geeignetes Zimmer zu finden.

Deshalb kann dieselbe Rate für eine Zielgruppe attraktiv und für eine andere bedeutungslos sein.

Eine gute Preispositionierung versucht nicht, für alle Gäste gleichzeitig perfekt zu sein.

Sie entscheidet, bei welcher Nachfrage das Hotel besonders überzeugend sein soll.

Wie entwickelt ein Hotel seine Preispositionierung?

Eine belastbare Position entsteht aus Produkt, Markt und Daten.

Nicht aus Bauchgefühl allein. Aber auch nicht aus einem Marktmittelwert, der morgens automatisch in einer E-Mail erscheint.

 

1. Das eigene Produkt nüchtern beschreiben

Zunächst sollte das Hotel festhalten, was Gäste tatsächlich erhalten.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Welche Lagevorteile besitzt das Hotel?
  • Welche Zimmer wurden wann renoviert?
  • Welche Kategorien unterscheiden sich wirklich?
  • Welche Leistungen sind enthalten?
  • Wofür wird das Hotel in Bewertungen gelobt?
  • Welche Beschwerden tauchen regelmäßig auf?
  • Welche Zielgruppen nutzen das Haus?
  • Welche Alternativen wählen verlorene Gäste?

Dabei geht es nicht um Werbetexte.

„Einzigartiges Wohlfühlambiente im Herzen der Stadt“ hilft der Preisstrategie ungefähr so weit wie „schönes Wetter“ bei der Urlaubsplanung.

Benötigt werden konkrete Aussagen: drei Gehminuten zum Bahnhof, 28 Quadratmeter, garantierter Parkplatz, ruhige Hofzimmer, Check-in rund um die Uhr oder Frühstück ab 6 Uhr.

 

2. Die wichtigsten Buchungsanlässe bestimmen

Preispositionierung sollte für konkrete Nachfrage gedacht werden.

Zum Beispiel:

  • Geschäftsreise unter der Woche,
  • Messe und Veranstaltung,
  • Wochenend-Städtereise,
  • Familienaufenthalt,
  • Durchreise,
  • längerer Aufenthalt,
  • Gruppe oder Tagung.

Für jeden Anlass können andere Wettbewerber und andere Wertmerkmale relevant sein.

Ein Hotel muss deshalb nicht „im Gesamtmarkt“ überzeugen. Dieser Gesamtmarkt bucht ohnehin kein Zimmer.

Menschen mit einem bestimmten Anlass tun es.

 

3. Vergleichbare Hotels auswählen

Nun wird für die wichtigsten Anlässe geprüft:

  • Welche Häuser erscheinen bei derselben Suche?
  • Welche werden von Gästen als Alternative genannt?
  • Welche liegen in ähnlichen Bewertungskorridoren?
  • Welche bieten vergleichbare Kategorien und Bedingungen?
  • Welche Hotels konkurrieren tatsächlich um dieselbe Nachfrage?

Das Ergebnis sollte klein genug sein, um verstanden zu werden.

Zwanzig Hotels ergeben zwar mehr Daten. Sie ergeben nicht automatisch mehr Erkenntnis.

 

4. Eine gewünschte Position formulieren

Die Preisposition sollte in einem verständlichen Satz beschrieben werden können.

Zum Beispiel:

Bei gewöhnlicher Geschäftsreisenachfrage positionieren wir unsere flexiblen Standardzimmer auf Marktniveau. Für Superior-Zimmer liegen wir aufgrund von Größe, Renovierungsstand und ruhiger Lage oberhalb des primären Comp Sets. Während starker Messetermine führen wir den Markt, solange Pickup und Forecast dies tragen.

 

Das ist konkreter als:

Wir möchten preislich attraktiv und gleichzeitig hochwertig sein.

 

Letzteres möchten erstaunlich viele Hotels. Es hilft nur niemandem beim Einstellen des Preises.

 

5. Einen Preiskorridor festlegen

Eine Position braucht Spielraum.

Für typische Nachfragesituationen können Korridore definiert werden:

NachfragesituationGewünschte PositionMögliche Leitplanke
Schwache Nachfrageknapp unter oder auf MarktniveauNachfrage aufbauen, ohne reflexartig Marktführer nach unten zu werden
Normale Nachfrageauf oder leicht über MarktniveauProduktwert und übliche Conversion halten
Starke Nachfrageoberhalb des Markteshöhere Zahlungsbereitschaft und knappe Verfügbarkeit nutzen
Kompressionsnachtdeutliche PremiumpositionPreis nicht an bereits ausverkauften oder nicht vergleichbaren Angeboten ausrichten

 

Ein Korridor ist kein starrer Preis.

Er legt fest, in welchem Verhältnis zum relevanten Markt sich das Hotel bewegen möchte. Die konkrete Rate entsteht anschließend durch Forecast, Pickup und verfügbare Kapazität.

 

6. Die Position testen

Erst das Buchungsverhalten zeigt, ob die angenommene Position funktioniert.

Zu prüfen sind unter anderem:

  • Pickup im Vergleich zum Forecast,
  • Conversion der Booking Engine,
  • Auslastung,
  • ADR,
  • RevPAR,
  • Buchungsvorlauf,
  • Stornierungsrate,
  • Upgrade-Anteil,
  • Nettoerlös je Kanal,
  • Entwicklung gegenüber dem Comp Set.

Bleibt der Pickup deutlich zurück, kann der Preis zu hoch sein.

Er kann aber auch völlig richtig sein, während Fotos, Bewertungen, Verfügbarkeit oder Buchungsprozess das Angebot ausbremsen.

Nicht jedes Preisproblem ist ein Preisproblem.

Manchmal ist es ein Produktproblem mit einem Rabattgutschein.

Welche Kennzahlen zeigen, ob die Position funktioniert?

Eine Preisposition ist erfolgreich, wenn sie den wirtschaftlichen Ertrag verbessert.

Nicht, wenn das Hotel zuverlässig drei Euro teurer ist als der Nachbar.

 

ADR, Occupancy und RevPAR

Die wichtigsten Ausgangskennzahlen sind:

  • ADR: durchschnittlicher Zimmerpreis der verkauften Zimmer
  • Occupancy: Anteil der belegten verfügbaren Zimmer
  • RevPAR: Zimmerumsatz je verfügbarem Zimmer

Eine höhere ADR kann eine Premiumposition bestätigen.

Sinkt gleichzeitig die Auslastung so stark, dass der RevPAR nachgibt, funktioniert die Position wirtschaftlich möglicherweise nicht.

Umgekehrt kann eine hohe Auslastung bei niedriger ADR bedeuten, dass das Hotel Nachfrage zu günstig einkauft.

Voll ist schön.

Profitabel wäre zusätzlich praktisch.

 

Die Indizes zum Wettbewerbsumfeld

Beim Benchmarking werden häufig drei Marktindizes genutzt:

KennzahlBerechnungAussage
ARIeigene ADR ÷ ADR des Comp Sets × 100relative Preisposition
MPIeigene Occupancy ÷ Occupancy des Comp Sets × 100relativer Auslastungsanteil
RGIeigener RevPAR ÷ RevPAR des Comp Sets × 100relative Umsatzleistung je verfügbarem Zimmer

Ein Wert von 100 entspricht dem Durchschnitt des Comp Sets.

Liegt der ARI bei 108, verkauft das Hotel im Durchschnitt acht Prozent über der Vergleichsgruppe. Liegt der MPI gleichzeitig bei 92, erreicht es weniger Auslastung als der Markt.

Da RevPAR vereinfacht aus ADR und Occupancy entsteht, läge der RGI in diesem Beispiel ungefähr bei 99.

Das Hotel hat seine höhere Rate also fast vollständig mit geringerer Belegung bezahlt.

Das kann gewollt sein, etwa wenn variable Kosten sinken oder das Haus bewusst weniger volumenorientiert arbeitet. Ohne diese Einordnung ist „höhere ADR“ jedoch kein ausreichender Siegerpokal.

 

Marktwachstum ist keine eigene Positionierung

CoStar und Tourism Economics prognostizierten im Februar 2026 für 31 europäische Märkte ein durchschnittliches RevPAR-Wachstum von 1,1 Prozent im Jahr 2026. In 20 Märkten soll die ADR stärker wachsen als die Auslastung.

Die Entwicklung ist jedoch nicht gleichmäßig. Einzelne Veranstaltungen und Märkte treiben einen erheblichen Teil der Veränderungen, während zusätzliches Hotelangebot andernorts die Auslastung belastet.

Ein europäischer Durchschnitt beantwortet deshalb nicht, ob ein Hotel in Stuttgart, Basel oder Lausanne am kommenden Donnerstag zehn Euro aufschlagen kann.

Er liefert Kontext.

Die Entscheidung braucht lokale Daten.

 

Nettoerlös statt schöner Bruttorate

Zur Bewertung gehören außerdem die Vertriebskosten.

Eine Rate von 190 Euro über einen provisionspflichtigen Kanal kann weniger beitragen als eine Direktbuchung zu 185 Euro. Auch enthaltene Leistungen, Zahlungsgebühren, Stornierungsrisiko und Akquisitionskosten verändern das Ergebnis.

Eine Preisposition sollte daher nicht nur mit der sichtbaren ADR geprüft werden, sondern auch mit:

  • Netto-ADR,
  • Netto-RevPAR,
  • Deckungsbeitrag,
  • Kosten je Buchungskanal,
  • Gesamtausgaben des Gastes,
  • Wiederbuchungswert.

Der höchste sichtbare Preis ist nicht automatisch die profitabelste Position.

Wie beeinflussen Vertriebskanäle die Preisposition?

Gäste sehen ein Hotel nicht in einer Excel-Tabelle.

Sie sehen es auf der Hotelwebsite, in einer OTA-Ergebnisliste, auf Google Hotels oder zunehmend in KI-gestützten Such- und Buchungsprozessen.

Dort steht der Preis unmittelbar neben Bildern, Bewertungen, Lage und Buchungsbedingungen.

 

OTAs werden zur Vergleichsbühne

Laut SiteMinders Changing Traveller Report 2026 starten 26 Prozent der Befragten ihre Hotelsuche auf einer OTA. Damit lagen OTAs in dieser Befragung erstmals vor klassischen Suchmaschinen mit 21 Prozent.

Die Preisposition wird dort nicht erst nach längerer Recherche sichtbar.

Sie steht direkt neben dem Nachbarn.

Umso wichtiger ist, dass der wahrgenommene Produktunterschied ebenso schnell erkennbar wird:

  • aussagekräftige Bilder,
  • klare Zimmerbeschreibungen,
  • vollständige Leistungen,
  • verständliche Bedingungen,
  • aktuelle Bewertungen.

Ein höherer Preis ohne sichtbaren Unterschied verliert in der Ergebnisliste schneller als eine Zimmerkarte lädt. Und das will etwas heißen.

 

KI macht Preise noch beobachtbarer

Im selben Report wünschen sich 44 Prozent der Befragten KI-Unterstützung für Preisbeobachtung und Preisalarme.

Dadurch können Preisverläufe, Abstände und kurzfristige Veränderungen für Gäste leichter nachvollziehbar werden.

Das bedeutet nicht, dass Hotels ihre Preise möglichst selten verändern sollten.

Es bedeutet, dass die Logik konsistent bleiben muss. Wild wechselnde Rabatte, künstlich aufgeblähte Ausgangspreise und unverständliche Kanalunterschiede werden nicht überzeugender, nur weil ein Algorithmus sie schneller findet.

 

Der Direktkanal braucht einen erkennbaren Platz

Die eigene Website muss nicht immer den niedrigsten sichtbaren Zimmerpreis anbieten. Wer jedoch Direktbuchungen steigern möchte, sollte dem Direktkanal einen nachvollziehbaren Buchungsgrund geben:

  • bessere Flexibilität,
  • direkter Service,
  • exklusive Zimmer,
  • Zusatzleistungen,
  • einfachere Umbuchung,
  • klarer Preisvorteil.

Eine Direktbuchung ohne Vorteil funktioniert häufig trotzdem.

Das ist jedoch eher Glück als Positionierung.

Häufige Fehler bei der Preispositionierung

Preispositionierung scheitert selten an zu wenigen Preisen. Meistens scheitert sie an zu wenig Klarheit.

 

Immer etwas günstiger sein

Der Wettbewerb verlangt 180 Euro. Das eigene Hotel geht auf 179 Euro.

Der Nachbar senkt auf 175 Euro. Also folgt das Hotel auf 174 Euro.

So entsteht keine Position. Es entsteht ein Abwärts-Abo.

Eine niedrigere Rate kann sinnvoll sein. Sie sollte aber aus Produkt, Nachfrage und wirtschaftlichem Ziel entstehen – nicht aus Angst vor einer größeren Zahl.

 

Hoher Preis mit starker Position verwechseln

Ein Hotel kann oberhalb des Marktes anbieten und trotzdem schwach positioniert sein. Wenn Nachfrage, Conversion und Bewertungen die Rate nicht tragen, ist der Preis lediglich hoch.

Eine Premiumposition ist erst dann eine Position, wenn Gäste den Mehrwert erkennen und ausreichend häufig buchen.

 

Das falsche Comp Set verwenden

Wer sich mit zu günstigen Hotels vergleicht, sieht schnell sehr erfolgreich aus. Wer nur aspirational Hotels auswählt, wirkt dauerhaft zu billig oder qualitativ unterlegen. Beides ist bequem. Beides hilft wenig.

Das Comp Set muss die reale Auswahl der Gäste abbilden, nicht das gewünschte Ergebnis der Monatspräsentation.

 

Jeden Preis für vergleichbar halten

Zimmerpreis ist nicht gleich Zimmerpreis. Vor einer Reaktion sollten geprüft werden:

  • Zimmerkategorie,
  • Belegung,
  • Stornierung,
  • Zahlung,
  • Frühstück,
  • Mitgliedschaft,
  • Aufenthaltsdauer,
  • Steuern und Gebühren,
  • verfügbare Restkategorien.

Sonst reagiert das Hotel womöglich auf ein Angebot, das es selbst überhaupt nicht verkauft.

 

Die Position für das ganze Jahr festschreiben

„Wir liegen immer zehn Prozent über Hotel X“ klingt klar. Es ignoriert nur, dass Nachfrage, Restverfügbarkeit, Veranstaltungen und Zimmermix nicht das ganze Jahr identisch bleiben.

Eine Strategie braucht Leitplanken. Keine Preisfessel.

 

Rabatte gegen die eigene Position arbeiten lassen

Die BAR liegt bewusst oberhalb des Marktes. Gleichzeitig laufen Mitgliederrabatt, Mobile Rate, Kampagnenabschlag und nicht stornierbare Rate.

Am Ende erscheint das Hotel unterhalb genau jener Häuser, gegenüber denen es sich als Premiumprodukt positionieren wollte.

Jeder einzelne Rabatt kann korrekt eingerichtet sein. Gemeinsam erzählen sie trotzdem eine andere Geschichte.

 

Produktprobleme mit dem Preis lösen

Schwache Bewertungen, unklare Zimmerkategorien oder schlechte Fotos führen zu weniger Buchungen.

Der Preis wird gesenkt.

Kurzfristig kann das Nachfrage erzeugen. Langfristig lernt das Hotel daraus nur, wie günstig ein ungelöstes Problem verkauft werden muss.

 

Nur auf die ADR schauen

Eine steigende ADR sieht gut aus. Sie sagt allein jedoch nicht, ob das Hotel:

  • Marktanteil verloren hat,
  • profitable Direktbuchungen verdrängt,
  • zu viel Nachfrage abgelehnt,
  • nur an einzelnen Spitzentagen gewonnen,
  • über teure Kanäle verkauft hat.

Preispositionierung wird mit ADR, Occupancy, RevPAR und Nettoerlös bewertet. Nicht mit der Kennzahl, die gerade am freundlichsten schaut.

Preispositionierung für kleinere Hotels

Auch kleinere Hotels können ihre Preisposition systematisch festlegen.

Dafür braucht es nicht zwingend ein großes RMS oder tägliche Marktberichte mit 48 Spalten.

Ein pragmatischer Einstieg besteht aus:

  • drei bis sechs wirklich relevanten Vergleichshotels,
  • einer getrennten Betrachtung von Werktagen, Wochenenden und Veranstaltungen,
  • klar beschriebenen Produktvorteilen,
  • nachvollziehbaren Abständen zwischen Zimmerkategorien,
  • einer gewünschten Marktposition je Nachfragesituation,
  • regelmäßiger Kontrolle von Pickup, ADR, Occupancy und RevPAR.

Zusätzlich sollte einmal im Monat geprüft werden:

  • Hat sich das Wettbewerbsumfeld verändert?
  • Tragen Bewertungen und Produkt die gewünschte Position?
  • Welche Termine verkaufen sich schneller oder langsamer als erwartet?
  • Welche Kategorien werden besonders häufig gewählt?
  • Welche Rabatte beeinflussen den sichtbaren Marktpreis?
  • Wie hoch ist der Nettoerlös der Buchungen?

Wichtig ist nicht, jede Preisbewegung des Marktes sofort zu beantworten.

Wichtig ist, zu erkennen, wann sie für das eigene Hotel relevant ist.

Fazit: Der Nachbar darf ein Signal sein. Keine Strategie.

Preispositionierung für Hotels bedeutet, den eigenen Preis bewusst ins Verhältnis zu Produkt, Nachfrage, Zielgruppe und relevantem Wettbewerb zu setzen.

Sie legt fest:

  • mit welchen Hotels das Haus tatsächlich verglichen wird,
  • welche Position es im Markt einnehmen möchte,
  • wodurch ein Preisunterschied gerechtfertigt ist,
  • wann sich diese Position verändern darf,
  • anhand welcher Kennzahlen sie geprüft wird.

Eine gute Preispositionierung muss nicht dauerhaft über oder unter dem Markt liegen. Sie muss verständlich sein.

Das Hotel sollte wissen, warum es an einem gewöhnlichen Dienstag auf Marktniveau verkauft, während einer Messe führt und mit einer bestimmten Zimmerkategorie bewusst unter einem Wettbewerber bleibt.

So wird Preispositionierung zu einem Teil des Revenue Managements und der übergeordneten Pricing Strategie für Hotels.

Der Wettbewerb liefert dafür wichtige Informationen.

Die eigene Position muss das Hotel trotzdem selbst finden. Sonst reicht am Ende tatsächlich ein einziger Euro – immer der unter dem Nachbarn.

FAQ zur Preispositionierung für Hotels

Was bedeutet Preispositionierung für Hotels?

Preispositionierung beschreibt, wo ein Hotel mit seinen Preisen im Verhältnis zu relevanten Wettbewerbern, dem eigenen Produktwert und der Nachfrage stehen möchte.

Die Position kann oberhalb, auf oder unter dem Marktniveau liegen.

Wie oft sollten Hotelpreise geändert werden?aMuss ein Hotel günstiger als seine Wettbewerber sein?

Nein.

Ein Hotel kann oberhalb des Wettbewerbs verkaufen, wenn Gäste einen erkennbaren Mehrwert erhalten und die Nachfrage den Preis trägt. Eine niedrigere Position ist sinnvoll, wenn sie zum Produkt und zum wirtschaftlichen Ziel passt.

Was ist ein Competitive Set?

Ein Competitive Set oder Comp Set ist eine Gruppe von Hotels, mit denen das eigene Haus tatsächlich um ähnliche Gäste und Buchungsanlässe konkurriert.

Auswahlkriterien sind unter anderem Lage, Hoteltyp, Zimmerqualität, Ausstattung, Zielgruppen, Bewertungen und Preisspanne.

Gehören alle Hotels in der Umgebung zum Wettbewerb?

Nein.

Ein nahe gelegenes Hotel kann ein anderes Produkt, andere Zielgruppen oder andere Buchungsanlässe bedienen. Entscheidend ist, ob Gäste beide Häuser als realistische Alternativen betrachten.

Was ist der Unterschied zwischen Preispositionierung und Dynamic Pricing?

Die Preispositionierung legt fest, wo das Hotel relativ zu Markt und Produktwert stehen soll.

Dynamic Pricing beschreibt, wann und warum der konkrete Preis abhängig von Nachfrage, Forecast, Pickup und Verfügbarkeit verändert wird.

Was ist der Unterschied zwischen Preispositionierung und BAR-Strategie?

Die Preispositionierung definiert den gewünschten Platz im Markt.

Die BAR-Strategie legt fest, welche öffentlich verfügbare Rate als Referenz dient und welche weiteren Raten, Leistungen oder Zimmerkategorien davon abgeleitet werden.

Welche Kennzahl zeigt die Preisposition eines Hotels?

Der Average Rate Index, kurz ARI, vergleicht die ADR eines Hotels mit der durchschnittlichen ADR seines Comp Sets.

Für die wirtschaftliche Bewertung sollten zusätzlich MPI, RGI, Occupancy, RevPAR und Nettoerlöse betrachtet werden.

Was bedeutet ein ARI über 100?

Ein ARI über 100 bedeutet, dass die durchschnittliche Zimmerpreisrate des Hotels über der ADR seines Wettbewerbsumfelds liegt.

Ob diese Position erfolgreich ist, hängt davon ab, wie sich gleichzeitig Auslastung und RevPAR entwickeln.

Wie oft sollte die Preispositionierung überprüft werden?

Die grundsätzliche Position sollte mindestens mehrmals im Jahr und bei größeren Veränderungen überprüft werden.

Einzelne Aufenthaltstage und Nachfragesituationen müssen deutlich häufiger kontrolliert werden – bei starken Veranstaltungen oder kurzfristigem Pickup gegebenenfalls täglich.

Können verschiedene Zimmerkategorien unterschiedlich positioniert sein?

Ja.

Ein renoviertes Superior-Zimmer kann oberhalb des Marktes liegen, während eine ältere Standardkategorie auf oder unter Marktniveau verkauft wird. Entscheidend sind Nachfrage und wahrnehmbarer Mehrwert der jeweiligen Kategorie.

Welchen Einfluss haben Bewertungen auf die Preisposition?

Gute Bewertungen erhöhen Vertrauen und können die Zahlungsbereitschaft stärken.

Schlechte oder stark schwankende Bewertungen erschweren eine Premiumposition, selbst wenn Ausstattung und offizielle Hotelkategorie dafürsprechen.

Sollte die Preisposition auf allen Kanälen gleich sein?

Nicht zwingend.

Preise und Bedingungen können je nach Kanal variieren. Wichtig ist, dass Unterschiede wirtschaftlich gewollt, technisch korrekt und für Gäste nachvollziehbar sind.

Kann ein Hotel seine Preisposition verändern?

Ja.

Renovierungen, neue Leistungen, bessere Bewertungen, veränderte Nachfrage oder ein neues Wettbewerbsumfeld können eine andere Position ermöglichen oder erforderlich machen.

Eine dauerhafte Veränderung sollte jedoch durch das Produkt und die Marktwahrnehmung getragen werden – nicht nur durch einen höheren Eintrag im Preissystem.